Berufsleben Nachhaltigkeit

Was Hans Hermann Voss uns mitgegeben hat

Am 3. Oktober 2026 wäre Hans Hermann Voss 100 Jahre alt geworden. Für VOSS ist dieses Jubiläum Anlass, auf das Leben und Wirken eines Unternehmers zurückzublicken, der unsere Unternehmensgeschichte maßgeblich geprägt hat. Aus dem Familienbetrieb seines Vaters entwickelte er eine international erfolgreiche Unternehmensgruppe und schuf die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg von VOSS. Sein technischer Weitblick, sein Vertrauen in Menschen und sein unternehmerischer Mut prägen unser Unternehmen bis heute. 

Als Hans Hermann Voss 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt, hatte er einen besonderen Wunsch: Die Auszeichnung sollte ihm beim Jubilar- und Seniorentreffen seines Unternehmens überreicht werden. Im Kreis der Menschen, die viele Jahre mit ihm gearbeitet und VOSS mit aufgebaut hatten. Diese Entscheidung erzählt viel über ihn. Hans Hermann Voss wusste, wem er den Erfolg seines Unternehmens mit verdankte. Die Verbundenheit mit seinen Mitarbeitenden war für ihn ein wichtiger Teil seines Lebenswerks. Das von ihm initiierte Jubilar- und Seniorentreffen wird bis heute fortgeführt.

 

Eine alte Anfrage eröffnet neue Möglichkeiten

Als der 26-jährige Maschinenbauingenieur 1953 in die Armaturenfabrik seines Vaters eintrat, war die Zukunft des kleinen Betriebs keineswegs vorgezeichnet. Das Unternehmen fertigte Hauswasserarmaturen, doch der intensive Wettbewerb ließ nur wenig Spielraum für Wachstum und Weiterentwicklung. Hans Hermann Voss suchte nach neuen Perspektiven. In den Unterlagen fand er eine rund zehn Jahre alte Anfrage nach Armaturen für Druckluftbremsen. Er ging ihr nach, nahm Kontakt zum Interessenten auf und stellte fest, dass der Bedarf weiterhin bestand. Daraus entstand ein neues Geschäft mit Rohrverschraubungen für Nutzfahrzeuge. Damit legte er einen wichtigen Grundstein für die Entwicklung von VOSS vom kleinen Familienbetrieb zum Automobil- und Maschinenbauzulieferer und später zum internationalen Systemanbieter für Leitungs- und Verbindungstechnik.

Diese Geschichte zeigt, wie er arbeitete. Er erkannte Möglichkeiten und wollte wissen, wie sie sich technisch umsetzen ließen. Im Mittelpunkt stand für ihn dabei stets die Frage, was eine Lösung für den Kunden leisten muss. Produkte sollten zuverlässig funktionieren, sich einfach montieren und warten lassen. Wenn dafür ein besonderes Werkzeug nötig war, wurde es mitentwickelt. Dieser Blick auf die konkrete Anwendung begleitete die weitere Entwicklung von VOSS. Auf Rohrverschraubungen folgten unter anderem die weltweit erste Steckverbindung für Druckluftbremsen in Nutzfahrzeugen und später einbaufertige Leitungssysteme sowie weitere ergänzende Systemkomponenten. Schritt für Schritt übernahm das Unternehmen umfassendere Aufgaben für seine Kunden.

 

Vertrauen in die Menschen

Hans Hermann Voss hatte hohe Erwartungen an technische Lösungen und an die Arbeit im Unternehmen. Zugleich interessierte er sich für die Erfahrungen und Ideen seiner Mitarbeitenden. Wer täglich mit Produkten, Maschinen oder Kunden zu tun hatte, sollte sich einbringen können. In den Erinnerungen seiner langjährigen Sekretärin Renate Müller-Breuer begegnet uns ein höflicher und aufmerksamer Mensch. Korrekt gekleidet mit Anzug und Krawatte, offen für Ideen und Sorgen, zugleich fordernd in der Sache. Häufig arbeitete er auch am Wochenende. Am Montag lagen dann Arbeitsaufträge auf kleinen DIN-A5-Zetteln vor, akkurat mit schwarzer Tinte geschrieben.

Zur Verantwortung als Arbeitgeber gehörten für ihn gute Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, angemessene Einkommen und die Absicherung im Alter. Mit einer Sozialkasse und einer Gleitzeitvereinbarung setzte er diese Überzeugungen praktisch um. Besonders wichtig war ihm die Ausbildung junger Menschen. Sie sollten eine berufliche Perspektive erhalten und ihre Fähigkeiten entwickeln können. Die von ihm geprägte Ausbildungskultur wirkt bis heute nach: Knapp ein Viertel der Belegschaft stammt aus der eigenen Ausbildung. Dieses Vertrauen und die gemeinsam geleistete Arbeit bilden eine wichtige Grundlage unseres Zusammengehörigkeitsgefühls.

 

Die Zukunft des Lebenswerks sichern

Wie lässt sich ein Unternehmen bewahren, wenn es keine Nachkommen gibt, die es übernehmen können? Hans Hermann Voss und seine Frau Christa beschäftigten sich früh mit dieser Frage. Sein Lebenswerk sollte langfristig eigenständig bleiben. Kurzfristige Interessen oder eine Zersplitterung des Unternehmens wollte er vermeiden. 1992 gründeten beide die Hans Hermann Voss-Stiftung. Damit schufen sie die Grundlage für eine Nachfolge, die den Fortbestand des Unternehmens mit gemeinnützigem Engagement verbindet. Als Hans Hermann Voss am 31. Juli 2006 starb, wurde die Stiftung seine Erbin und Eigentümerin der Unternehmensgruppe. Auch Christa Voss blieb dem gemeinsamen Lebenswerk verbunden. Nach ihrem Tod 2022 ging ihr Erbe ebenfalls an die Stiftung. Heute unterstützt die Stiftung Projekte in den Bereichen Naturwissenschaft und Forschung, Bildung und Ausbildung, Jugend und Senioren sowie mildtätige Zwecke. Anliegen, die Hans Hermann Voss schon zu Lebzeiten wichtig waren, erhalten dadurch eine langfristige Perspektive.

 

Was uns heute begleitet

Aus dem kleinen Familienbetrieb ist in den 95 Jahren seines Bestehens eine internationale Unternehmensgruppe mit 24 Gesellschaften in 14 Ländern und rund 8.600 Mitarbeitenden geworden. Mit dem Unternehmen ist auch die Vielfalt unserer Aufgaben gewachsen. Unser Produktportfolio reicht heute von Leitungs- und Verbindungstechnik für Fahrzeuge und Maschinen über Systemlösungen für das Thermomanagement von Elektrofahrzeugen bis hin zu Lösungen für flüssigkeitsgekühlte Rechenzentren und Batterie-Energiespeichersysteme. So unterschiedlich die Anwendungen heute auch sind, im Kern stehen noch immer ähnliche Fragen im Mittelpunkt wie zu den Anfängen von Hans Hermann Voss: Was braucht der Kunde? Wie lässt sich eine Anwendung verbessern? Welche neue technische Lösung hilft dabei? 

Sein Vermächtnis begegnet uns deshalb in unserer täglichen Arbeit. Es lebt in unserem Anspruch guten Ideen voranzubringen, in der Förderung junger Menschen und in der Verantwortung für die Zukunft unseres Unternehmens weiter. Seine Ideen haben VOSS geprägt. Seine Entscheidungen wirken bis heute nach. Was ihm wichtig war, ist auch heute noch Teil dessen, was VOSS ausmacht. Und beim nächsten Jubilar- und Seniorentreffen kommen wieder die Menschen zusammen, deren Verbundenheit mit VOSS ihm so viel bedeutete.